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BETH IS DEAD von Katie Bernet

[Werbung | Rezensionsexemplar]

Ich liebe „Little Women“. Louisa May Alcotts Klassiker ist für mich ein absolutes Herzensbuch, die Verfilmung von Greta Gerwig (2019) einer meiner Lieblingsfilme. Als ich von „Beth is Dead“ hörte, war ich sofort Feuer und Flamme: Ein zeitgenössisches Retelling als YA-Thriller, das die Perspektive auf das Buch komplett auf den Kopf stellt? Klingt ambitioniert, riskant und verdammt spannend. Und was soll ich sagen? Katie Bernets Debüt ist ein absoluter Volltreffer.

Darum geht’s: Wenn Fiktion zur Todesfalle wird

Die March-Schwestern sind berühmt, aber nicht, weil sie es wollten. Ihr Vater, ein lange erfolgloser Autor, hat ein Buch namens „Little Women“ über sie veröffentlicht und sie darin in Klischees gepresst. Das Buch schlug in die Literaturwelt ein wie eine Bombe. Jo, die aufbrausende Autorin; Meg, die hübsche, sanfte Älteste; Amy, die egozentrische Künstlerin – und Beth, die am Ende des Buches nach einem Autounfall stirbt –  obwohl sie den in echt eigentlich überlebt.

Doch dann wird aus Fiktion blutiger Ernst: Am Neujahrstag wird Beth tot im Wald gefunden. War es ein verrückter Fan? Ein Stalker? Oder steckt jemand aus dem engsten Kreis dahinter? Während die Schwestern versuchen, den Mörder zu finden, kommen Geheimnisse ans Licht, die das Fundament ihrer Loyalität erschüttern. Denn plötzlich hat jede von ihnen ein Motiv.

Die Schwestern: Bekannte Gesichter in dunklem Licht

Bernet schafft es, die DNA der Original-Charaktere beizubehalten, sie aber in die heutige Zeit zu holen. Besonders nahe kommen wir Jo: Sie ist hier eine aufstrebende Autorin mit riesiger Social-Media-Followerschaft, aber ohne das richtige Romanprojekt. Würde sie für den ultimativen Plot wirklich über die Leiche ihrer Schwester gehen?

Sehr berührt hat mich Beth. In Rückblenden bekommt sie endlich die Stimme, die ihr im Original oft fehlt. Sie ist hier nicht nur das „stille Wasser“, sondern ein komplexes Mädchen, das sich im Schatten ihrer lauteren Schwestern verloren fühlt. Ihr Tod bricht einem beim Lesen das Herz, auch wenn man weiß, dass er kommen wird.

Meta-Ebene & „Blood and Thunder“

Was dieses Buch von 08/15-Thrillern abhebt, ist die Meta-Ebene. Es geht um die Frage: Wem gehört deine Geschichte? Darf ein Vater das Leben seiner Töchter für den Erfolg ausschlachten? Dass die Autorin hier den „Blood and Thunder“-Stil aufgreift (so nannte Alcott ihre eigenen reißerischen Groschenromane, die sie vor „Little Women“ unter einem Pseudonym veröffentlichte), ist eine gelungene Hommage. Es ist düster, es ist „pulpy“, aber es hat ein intellektuelles Fundament.

Fazit: Ein Klassiker, der bluten muss

„Beth is Dead“ ist eines dieser Retellings, die dem Original tiefen Respekt zollen, ohne es im eigentlichen Sinne nur nachzuerzählen, und es gleichzeitig mutig dekonstruieren. Es ist rasant, emotional aufwühlend und durch die wechselnden Perspektiven so konstruiert, dass man ständig die eigenen Lieblinge verdächtigt. Ein Pageturner, der zeigt, dass Schwesternschaft manchmal genauso gefährlich wie heilig sein kann.


Für wen ist „Beth is Dead“ was?

  • Little Women-Fans: Die die Charaktere lieben, aber bereit sind, sie in ihren schlimmsten Momenten zu sehen.
  • Thriller-Liebhaber: Die auf die „Wer war es?“-Frage mit familiären Abgründen stehen. Das Buch ist allerdings als Jugendbuch nicht die klassiche, ultraspannende Grusellektüre und daher auch für jene geeignet, die sich dem Genre sonst eher fernhalten.
  • Meta-Ebenen-Fans: Die Diskussionen über Ruhm, Identität und Autorenschaft spannend finden.

Für wen ist „Beth is Dead“ eher nichts?

  • Genre-Verfechter: Wer ein gemütliches, braves Buch wie die Vorlage erwartet, wird hier abgeschreckt sein.
  • Happy-End-Sucher: Das Buch ist von Trauer und Verlust durchzogen – es bleibt schwer im Magen liegen.
  • Leute, die kein YA mögen: Social-Media-Kritik und jugendliche Identitätssuche nehmen viel Raum ein.

Bibliographisches zum Buch „Beth is dead“

Erschienen im Deutschen bei dtv am 16.04.2025.
Übersetzt von: Katarina Ganslandt
ISBN: 978-3-352-01013-2
Umfang: 448 Seiten
Preis (Paperback): 17 €
Link zur Buchseite beim Verlag

Eve Bernhardt

Eve Bernhardt ist in Göttingen aufgewachsen und liest schon so lange sie denken kann. Nach ihrem FSJ Kultur studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie arbeitet als Journalistin und betreibt seit 2020 betreibt ihren eigenen Jugendbuchpodcast.

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