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A FATE FORGED IN FIRE von Hazel McBride

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Hazel McBrides Debüt „A Fate Forged in Fire“ ist mir auf der Frankfurter Buchmesse vor ein paar Monaten in die Hände gefallen und hat mit direkt angesporchen. Es ist der erste Band der „Bonded to Beasts“-Duologie und verspricht keltisch inspirierte Romantasy mit Drachen, Feuermagie und einer Thronfolgerin, die sich ihr Erbe zurückholen will. Klingt erstmal gut, aber auch ambitioniert. Die Umsetzung ist – na ja, durchwachsen.

Darum geht’s: Aemyra ist die rechtmäßige Erbin des Königreichs Tìr Teine, lebt aber seit Jahren undercover als Schmiedetochter. Ihr Plan: auf den Tod des Königs warten, sich mit dessen Drachen verbinden und den Thron besteigen. Dumm nur, dass ihr Coup am Königshof spektakulär scheitert – und sie sich plötzlich an der Seite ihres erklärten Feindes wiederfindet: Prinz Fiorean, Drachenreiter und Sohn des korrupten Herrscherhauses.

Eine Heldin, die erstmal anstrengend ist

Das Problem mit Aemyra: Sie weiß, dass ihr der Thron zusteht, aber sie hat keine Ahnung, wie sie ihn bekommen soll. Ihr ursprünglicher Plan ist naiv bis zur Lächerlichkeit, und dass er scheitert, ist weniger überraschend als vielmehr erleichternd. Aber hey – endlich mal eine Heldin, die nicht einfach alles hinkriegt.

Trotzdem: Die ersten 150 Seiten sind zäh. Aemyra wirkt weniger entschlossen als trotzig, weniger strategisch als einfach nur überzeugt von sich selbst. Ihre Art, über andere Frauen zu urteilen, ist schwer erträglich – vor allem, weil sie selbst jahrelang unter Ausgrenzung litt. Dass sie im Verlauf des Buches wächst und gezwungen ist, ihre eigenen Fehler anzuerkennen, ist überfällig. Ob diese Entwicklung ausreicht, um sie als zukünftige Königin ernst zu nehmen, mal sehen.

Fiorean: Noch viel Luft nach oben

Prinz Fiorean bleibt über weite Strecken des Buches blass. Er ist kalt, arrogant, seiner Familie ergeben – und damit erstmal das Gegenteil von dem, was die Geschichte braucht. Die „Enemies to Lovers“-Dynamik ist zwar angelegt, aber die Chemie zwischen den beiden fühlt sich selten echt an. Mal knistert es, mal wirkt ihr Hin und Her wie nach Rezept. Das Ende setzt dann einen großen emotionalen Moment, der aber etwas unverdient wirkt. Hier fehlen mir trotz der Dicke des Buches ein paar Kapitel, dafür hätten an anderer Stelle Abstriche gemacht werden können.

Welt mit Ambitionen, aber überladen

McBride hat sich erkennbar Mühe gegeben, ihre keltisch geprägte Welt mit Geschichte und Mythologie anzureichern. Leider verliert sie sich dabei in langen Erklärpassagen, die eher wie ein Worldbuilding-Handbuch wirken denn wie organisch erzählte Geschichte. Das Magiesystem bleibt schwammig, die politischen Fraktionen sind nur grob skizziert – und trotzdem wird ständig auf sie verwiesen. Man muss sich erstmal durchkämpfen, bis die Handlung Fahrt aufnimmt.

Ab der Hälfte wird es dann tatsächlich besser. Sobald Aemyra gezwungen ist, sich mit ihrem Scheitern auseinanderzusetzen, gewinnt die Erzählung an Tiefe. Die Drachen – ganz klar das Highlight – sind jedes Mal ein Gewinn, wenn sie auftauchen.

Fazit: Potenzial erkennbar, aber noch nicht eingelöst

„A Fate Forged in Fire“ ist kein schlechtes Buch, aber ein unfertiges. Es hat alle Zutaten für eine solide Romantasy – starke Frauenfiguren (zumindest dem Anspruch nach), Drachen, politische Intrigen –, verarbeitet sie aber mit ungleicher Sorgfalt. Der Cliffhanger macht neugierig, und das Potenzial der Reihe ist spürbar. Ob es eingelöst wird, hängt vor allem davon ab, ob Aemyra im zweiten Band endlich erwachsen wird und Fiorean mehr bekommt als nur „kalt und geheimnisvoll“ zu spielen.

Für wen ist „A fate forged in fire“ was?

  • Romantasy-Leser:innen, die mit unsympathischen Heldinnen umgehen können
  • Alle, die Drachen lieben und bereit sind, dafür Exposition in Kauf zu nehmen
  • Fans von langsamen Charakterentwicklungen und offenen Enden

Für wen ist „A fate forged in fire“ eher nichts?

  • Leser:innen, die eine kompetente, sofort sympathische Protagonistin erwarten
  • Alle, denen ein schlüssiges Magiesystem und organischer Weltenbau wichtig sind
  • Romantiker:innen, die auf eine tief ausgearbeitete Lovestory bestehen

Letztendlich ist „A Fate Forged in Fire“ eines dieser Bücher, bei denen man nach der letzten Seite sagt: „Okay, ich bin nicht sicher, ob es das war – aber ich will trotzdem wissen, wie es weitergeht.“ Ob das reicht, muss jede:r selbst entscheiden. Ich für meinen Teil werde Band zwei wohl noch eine Chance geben.


Bibliographisches zum Buch „A fate forged in fire“

Reihe: Bonded to Beasts (Teil 1, nicht unabhängig voneinander lesbar)
Erschienen im Deutschen bei Rütten & Loening am 14.05.2025.
ISBN: 978-3-352-01013-2
Umfang: 526 Seiten
Preis (Gebunden): 24,00 €
Übersetzt von: Nina Restemeier
Link zur Buchseite beim Verlag

Eve Bernhardt

Eve Bernhardt ist in Göttingen aufgewachsen und liest schon so lange sie denken kann. Nach ihrem FSJ Kultur studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie arbeitet als Journalistin und betreibt seit 2020 betreibt ihren eigenen Jugendbuchpodcast.

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