[Werbung | Rezensionsexemplar]
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Kennt ihr diese Bücher, in die man sich auf den ersten Blick schockverliebt? Gerade bei solchen Büchern fällt mir eine Bewertung manchmal schwer. „Queen of Faces“ ist so ein Fall. Wir haben eine großartige Grundidee, eine komplexe Welt und Figuren, die mich wirklich beschäftigt haben, ein hohes Erzähltempo, viele Perspektiven und ein – zugegeben – manchmal etwas überwältigendes, beinahe überforderndes Worldbuilding. Ich habe das Buch nach dem Lesen erstmal sacken lassen müssen, um meine Gedanken zu sortieren. Und selbst bis jetzt noch Fragen offen.
Worum es in „Queen of Faces“ geht
In Caimor können Menschen ihren Körper wechseln. Wer reich ist, kauft sich einfach einen neuen, perfekten Körper, wenn der alte versagt. Wer arm ist, muss nehmen, was übrig bleibt. Anabelle – Ana – steckt in einem kranken Jungenkörper fest und hat nicht mehr lange zu leben. Ihre einzige Chance: die Paragon Academy, die magische Eliteschule Caimors. Doch sie fällt zum dritten Mal durch die Aufnahmeprüfung. Aus Verzweiflung versucht sie, einen neuen Körper zu stehlen – und wird ausgerechnet vom Direktor Carriwitch erwischt. Der stellt sie vor eine Wahl: Tod oder Undercover-Arbeit als Spionin gegen die Rebellen um die geheimnisvolle Magierin Khaiovhe. Ana willigt ein – und gerät in einen Konflikt, der weit über ihr eigenes Leben hinausreicht.
Eine Idee, die trägt
Die Grundidee des Körpertauschs ist mal etwas anderes und hat für mich etwas dystopisches. Dass Menschen ihren Körper wechseln können – unabhängig vom Geschlecht, abhängig vom Geld –, ist nicht nur ein spannendes Gedankenspiel, sondern auch eine kluge sozialkritische Prämisse. Die Reichen sind quasi unsterblich, die Armen sterben viel zu früh an ihren kaputten Körpern. Diese Ungleichheit zieht sich durch das ganze Buch und macht die Welt von Caimor greifbar und lebendig.
Auch das Magiesystem hat mir gefallen: verschiedene Magiearten, die Paragon Academy als Ausbildungsort, dazu die kriminelle Unterwelt, die sich gegen die Akademie auflehnt. Da steckt viel Potenzial drin.
Figuren, die mich überrascht haben
Ana ist eine Protagonistin, die nicht von Anfang an eine Heldin ist. Sie trifft Entscheidungen, die ich nicht immer gutheißen konnte, und ist moralisch nicht immer einwandfrei. Trotzdem konnte ich ihre Beweggründe meistens nachvollziehen – sie will einfach eine Chance auf ein besseres Leben.
Nell dagegen, die zweite Hauptfigur, aus deren Perspektive erzählt wird, ist gerade anfangs abweisend und fast schon unsympathisch. Aber je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, desto klarer wird, warum sie so ist, wie sie ist. Auch die Nebenfiguren bringen ihre eigenen Geschichten und Beweggründe mit.
Die Figuren sind für mich eine der größten Stärken des Buches. Sie wirken authentisch, gerade weil sie oft nicht die perfekten Held:innen sind.
Ein holpriger Einstieg, ein starkes Finale
Weniger gut fand ich dagegen den Einstieg ins Buch: Gerade im ersten Drittel verpasst es das Buch bei seinem hohen Erzähltempo und den vielen Perspektiven seine Leser:innen ausreichend an die Hand zu nehmen. Ich bin eigentlich ein großer Fan davon, mitten ins Geschehen geschmissen zu werden. Hier aber fand ich es leider stellenweise anstrengend. Ich musste mich sehr konzentrieren, um der Handlung zu folgen. Der Mittelteil hat sich dann an einigen Stellen gezogen, bevor das letzte Drittel mich richtig gepackt hat.
Der Grund dafür? Ab der zweiten Hälfte steigt der Spannungsbogen massiv an. Es gibt Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe, und gerade zum Ende hin fügen sich immer mehr Puzzleteile zusammen. Da wurde es dann richtig schwer, das Buch mal aus der Hand zu legen.
Und noch etwas: Das Worldbuilding ist komplex, aber nicht immer zugänglich. Einige Fragen bleiben offen, manches hätte ich mir deutlicher erklärt gewünscht – gerade, was die verschiedenen Magiearten und die politischen Strukturen angeht. Auch die plötzlichen Freundschaften zwischen einigen Figuren gingen mir etwas zu schnell und wirkte nicht immer stimmig.
Fazit: Ein starker Auftakt mit kleinen Schwächen
„Queen of Faces“ ist ein ungewöhnlicher Fantasyroman mit einer faszinierenden Grundidee, einem interessanten Magiesystem und unglaublich starken Figuren. Die Mischung aus Magie, Geheimnissen und gesellschaftlichen Problemen hat mir gut gefallen, und besonders Ana und Nell sind Figuren, deren Entwicklung ich gerne verfolgt habe. Gleichzeitig bleiben einige Fragen offen – und zwar unabhänigig davon, dass die Reihe noch nicht abgeschlossen ist. Trotzdem bin ich gespannt, wie es mit Ana und der Welt von Caimor weitergeht.
Für wen ist „Queen of Faces“ was?
- Fantasy-Fans, die komplexe Welten und ungewöhnliche Magiesysteme mögen
- Leser:innen, die moralisch ambivalente Figuren und Dark-Academia-Settings schätzen
- Alle, die kein Problem mit hohem Erzähltempo und vielen Perspektiven haben
Für wen ist „Queen of Faces“ eher nichts?
- Leser:innen, die ein klar erklärtes und simples Worldbuilding brauchen
- Alle, die vielen Namen und Perspektivwechsel in ihren Büchern nicht mögen
- Menschen, die eine geradlinige, leicht zugängliche Handlung erwarten
Bibliographisches zu „Queen of Faces“
Titel: Queen of Faces – Die Königin der tausend Gesichter
Autorin: Petra Lord
Reihe: Queen of Faces (Band 1 von 2, nicht unabhängig voneinander lesbar)
Erschienen im Deutschen bei Heyne am 12. August 2026
ISBN: 978-3-453-27550-8
Umfang: 624 Seiten
Preis (Gebunden): 24,00 €
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