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PECK & PECK von Bonnie Garmus

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„Eine Frage der Chemie“ war für mich ein absolutes Highlight. Ich kann kaum zählen, wie vielen Leuten ich das Buch schon empfohlen habe. Umso schöner, dass ich Bonnie Garmus im Rahmen des Göttinger Literaturherbsts 2023 sogar live erleben und sie aus ihrem Debüt lesen hören konnte. Die Veranstaltung hat meine Liebe für ihren Humor und ihre Art zu erzählen nur vertieft. Entsprechend groß war also meine Vorfreude auf ihren zweiten Roman.

Mit „Peck & Peck“ nimmt sie uns diesmal mit auf eine Reise in die New Yorker Literaturszene der Achtzigerjahre. Statt einer eigenwilligen Chemikerin, die sich als alleinerziehende Mutter in einer frauenfeindlichen Welt ihren Weg bahnen muss, steht ein junger Mann im Mittelpunkt, der Gedichte liebt.

Ein Poesieliebhaber im New York 80er 

Batter Gray hat gerade das College abgeschlossen. Während seine Freunde bereits in gut bezahlten Jobs angekommen sind, hält er sich mit mehreren schlecht bezahlten Tätigkeiten über Wasser und versucht seinen Platz in dieser Welt zu finden. 

Batter hat ein außergewöhnliches Gespür für Gedichte. Er beschäftigt Lyrik, seit er ein Kind war, und kann sich in Verse vertiefen wie kaum ein anderer. Als er eine Stelle bei der bedeutenden Lyrikzeitschrift „Peck & Peck“ ergattert, scheint sein Leben endlich seine. Vorbestimmten Weg zu gehen. Dann landet Batter allerdings erstmal im Kopierkeller. Von dort aus bekommt er nicht nur die Eigenheiten seiner neuen Kollegen mit, sondern gerät auch mitten in einen erbitterten Machtkampf: Die beiden berühmten Herausgeber Salton und Dexter Peck sind nicht nur Zwillinge sondern auch Feinde und haben offenbar kein Problem damit, ihren Betrieb in ein Schlachtfeld zu verwandeln.

Zwischen Poesie und Wahnsinn


Wo Menschen über Originalität, Kreativität und die Bedeutung von Kunst diskutieren, sind Eitelkeiten und Machtkämpfe schließlich selten weit entfernt. Bonnie Garmus treibt das auf die Spitze. Dabei wird nicht einfach nur über Gedichte gestritten: Karrieren werden bedroht, Regeln mit fast religiösem Eifer verteidigt und Mitarbeiter von einem cholerischen Chef – dessen Wutausbrüche sich sogar typografisch bemerkbar machen – eingeschüchtert.

Generell steckt in „Peck & Peck“ eine Menge Liebe zu Eigenheiten von Sprache. Batters Mutter entwirft Schriften und erkennt Schriftarten deshalb mit beeindruckender Sicherheit. Selbst in den ungewöhnlichsten Situationen beschäftigt die die Typografie und auf ihren Sohn färbt das natürlich ab. So entstehen absurde Momente.

Zuspitzungen und eine scharf gezeichnete Hauptfigur

Auch sonst kommt die Komik nicht zu kurz. Hinter dem Humor steckt aber oft auch die Frage, welchen Wert wir Kunst beimessen und wer überhaupt darüber entscheidet, was als Kunst gelten darf. Während Batter sich mit einer Leidenschaft beschäftigt, die sein Umfeld für (ja) irrelevant hält, versucht der Verlag, genau diese Leidenschaft in ein System aus Regeln, Hierarchien und Ansprüchen zu pressen.

Wie in „Eine Frage der Chemie“ setzt Bonnie Garmus auch in ihrem zweiten Buch auf eine ungewöhnliche Hauptfigur, scharfe Beobachtungen und eine Welt, die gleichzeitig absurd und erstaunlich vertraut wirkt, exzentrische Charaktere und zugespitzten Situationen stehen wieder auf dem Programm. 

Fazit: Über‘s Außenseitersein und den Literaturbetrieb

„Peck & Peck“ ist eine turbulente Geschichte über Außenseitertum, die Liebe zur Literatur und die Frage, was ein erfülltes Leben eigentlich ausmacht. Bonnie Garmus nimmt den Literaturbetrieb aufs Korn, ohne die Poesie selbst aus den Augen zu verlieren. Und sie zeigt, was Worte mit uns machen können – auch dann, wenn wir sie nicht selbst schreiben. Ein paar Längen hat die Geschichte aber die schrägen Figuren tragen die Handlung. Allein wegen der Feministischen Komponente, die hier im Gegensatz zu „Eine Frage der Chemie“ fehlt, reicht „Peck & Peck“ für mich nicht ganz an Bonnie Garmus Debüt heran. Ein würdiger Nachfolger ist das Buch aber dennoch allemal.

Für wen ist „Peck & Peck“ etwas?

Für alle, die humorvolle, etwas schräge Romane mögen, sich für Literatur und den Kulturbetrieb interessieren oder einfach gern ungewöhnliche Figuren begleiten. Wer mit Gedichten wenig anfangen kann, muss sich davon aber nicht abschrecken lassen, in Gedichten wird die Geschichte schließlich nicht erzählt.

„Peck & Peck“ von Bonnie Garmus.
„Peck & Peck“ von Bonnie Garmus.

Bibliografische Angaben zu „Peck & Peck“

Erschienen im Deutschen bei Piper am 13. Oktober 2026
Übersetzt von: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
ISBN: 978-3-492-07511-4
Umfang: 544 Seiten
Preis (Gebunden): 26,00 €
Link zur Buchseite beim Verlag

Eve Bernhardt

Eve Bernhardt ist in Göttingen aufgewachsen und liest schon so lange sie denken kann. Nach ihrem FSJ Kultur studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie arbeitet als Journalistin und betreibt seit 2020 betreibt ihren eigenen Jugendbuchpodcast.

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