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ANTI MÜLLER von Yade Yasemin Önder

[Werbung | Rezensionsexemplar]

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Manchmal möchte man eine Romanfigur am liebsten schütteln. Ihr sagen, dass sie sich nicht alles gefallen lassen muss, dass sie besser weglaufen sollte und dass dieser Mann, der da gerade alles in ihrem Leben vereinnahmt, ganz offensichtlich nicht der Richtige ist. Und manchmal möchte man sie gleichzeitig in den Arm nehmen, weil man versteht, warum sie trotzdem bleibt. Die Protagonistin von Yade Yasemin Önders Roman „Anti Müller“ ist eine Figur, bei der genau das der Fall ist.

Zwischen Kinderwunsch und Dating-Hölle

Die Ich-Erzählerin ist 36, lebt in Berlin und hat schon bessere Zeiten erlebt. Nach einer schmerzhaften Trennung von ihrem Ex-Freund Kar, beschließt sie: Das, was er kann, kann sie schon lange. Was er kann? Das ist schreiben. Jetzt soll also auch ihr erster Roman entstehen. Bloß steckt sie mitten im einer Schreibblockade. Und während all dem rennt ihr die Zeit davon, denn die Erzählerin hat einen alles beherrschenden Kinderwunsch und sich selbst eine Frist gesetzt: Bis zu ihrem 37. Geburtstag will sie schwanger sein.

So stürzt sie sich ins Online-Dating, trifft dabei auf Andi Müller, Schauspieler, Vater von Zwillingen und offenbar ein Mann, der sich für ziemlich unwiderstehlich hält. Schnell entwickelt sich eine Beziehung, in der die Erzählerin viel zu viel hinnimmt. 

Männer als Gespenster

In „Anti Müller“ spukt es. Da ist der Ex-Freund, der sich nicht so einfach aus den Gedanken vertreiben lässt. Da sind die Erinnerungen an die Konflikte im Elternhaus.  Und da sind die Männer, die nun durch ihr Leben geistern und dabei erstaunlich oft als wandelnde Sammlungen roter Flaggen dieselben Muster bedienen.

Önder nimmt die Selbstinszenierung von Männern auseinander und zeigt, wie schnell progressive Überzeugungen zur bloßen Fassade werden können. Das ist oft bitter, aber auch ziemlich komisch. Überhaupt lebt der Roman von einem eher trockenen Humor.

Wenn der Kinderwunsch zur Obsession wird

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Wie viel Zeit bleibt? Und was, wenn das Leben nicht so verläuft, wie man es sich vorgestellt hat? Mit diesen Fragen beschäftigt sich „Anti Müller“ intensiv. Önder erzählt dabei  mit einer Drastik. Die Protagonistin ist nicht immer sympathisch, ihre Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar. Sie bleibt nicht einfach die Frau, der Männer übel mitspielen. Auch sie verletzt und manipuliert. Die Grenzen zwischen Opfer- und Täterschaft verschwimmen. Diese Entwicklung hätte der Roman noch etwas stärker auskosten können. 

Patriarchale Strukturen, weibliche Selbstbestimmung, der Druck des Kinderwunsches und die Frage, wie sehr sich gesellschaftliche Erwartungen im eigenen Denken festsetzen – die Themen, die Yade Yasemin Önder aufgreift, sind komplex. Manchmal scheint der Roman sie allerdings nur anzureißen, als sich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Eine zusätzliche Ebene: Während die Protagonistin nach einer eigenen Stimme für ihr eigenes Buch sucht, reflektiert der Roman auch, wie man überhaupt über sich selbst und die eigene Gegenwart erzählen kann.

Eine Geisterbahn, aus der man nicht so leicht herauskommt

Yade Yasemin Önder gelingt mit „Anti Müller“ eine ebenso bitterböse wie zugespitzte Geschichte über Dating, Kinderwunsch und einen Kulturbetrieb, in dem sich manche Männer für aufgeklärter halten, als sie tatsächlich sind. Die Sprache ist eigenwillig und poetisch.

Nicht jede Entwicklung ist für mich gleichermaßen überzeugend, und manches hätte mehr Raum verdient. Trotzdem ist „Anti Müller“ ein Roman, der einige unangenehme Fragen zum drüber Nachdenken aufwirft.

Bibliografische Angaben zu „Anti Müller“

Erschienen bei park x ullstein am 26. Februar 2026.
ISBN: 978-3-98816-065-2
Umfang: 239 Seiten
Preis (Gebunden): 23,00 €
Link zur Buchseite beim Verlag

Eve Bernhardt

Eve Bernhardt ist in Göttingen aufgewachsen und liest schon so lange sie denken kann. Nach ihrem FSJ Kultur studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie arbeitet als Journalistin und betreibt seit 2020 betreibt ihren eigenen Jugendbuchpodcast.

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