[Werbung | Rezensionsexemplar]
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Sophia lebt im Königreich Mersailles, 200 Jahre nachdem Cinderella ihren Prinzen fand. Was einst nach einem Happy End klang, hat sich längst in einen Albtraum verwandelt: Seit Cinderellas Tod müssen alle jungen Frauen ab 16 an einem jährlichen Ball teilnehmen, um von einem Mann auserwählt zu werden. Davon erzählt Kalynn Bayrons in ihrem Märchen-Retelling „Cinderella ist tot“.
Das Problem? Wer sich weigert, wird getötet. Wer nach drei Bällen noch unverheiratet ist, wird verstoßen und ins Arbeitslager geschickt. Und wer anders liebt? Naja, hat keine Chance. Sophia ist lesbisch und sie will keinen Mann.
Als sie gezwungen wird, am Ball teilzunehmen, eskaliert die Situation und Sophia flieht in den verwunschenen Wald. Dort trifft die Teenagerin dann auf Constance. Die ist eine Nachfahrin von Cinderellas Stiefschwester. Gemeinsam decken die Beiden auf, dass die gesamte Geschichte des Königreichs auf Lügen beruht.
Ein märchenhafter Kampf gegen Unterdrückung
Kalynn Bayron hat mit„Cinderella ist tot“ keine einfache Märchenadaption, sondern eine kluge und wütende feministische Dystopie geschrieben. Die Autorin zeigt, wie Geschichten von Siegern geschrieben werden – und wie sie dazu genutzt werden können, Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten oder sogar neu zu schaffen. Klar, das ist kein neuer Gedanke, aber sie verpackt ihn in eine Geschichte, die sich schnell und mitreißend liest.
Figuren mit Ecken und Kanten
Sophia ist eine tolle Protagonistin: mutig, authentisch und selbstkritisch. Sie steht für ihre Ziele und Wünsche ein, auch wenn sie dafür kämpfen muss. Constance ist ihre perfekte Ergänzung – klug, zurückhaltend und mit dem Wissen über die wahren Geschehnisse von damals. Die beiden ergänzen sich perfekt, und ihre Dynamik hat mir sehr gefallen. Erin dagegen habe ich anfangs gemocht, aber zum Ende hin war sie mir einfach zu anstrengend. Ich konnte ihre Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen.
Was mir besonders gut gefallen hat: die Repräsentation. Eine queere BIPOC-Protagonistin in einem Fantasyroman – davon wünsche ich mir in der Buchwelt im Allgemeinen mehr! Dass rassistische Strukturen hier nicht wirklich thematisiert werden, und sich die Autorin voll auf die Unterdrückung von Frauen und queeren Menschen fokussiert, lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits sind solche (auf diesen Aspekt bezogen) Eutopien sicherlich wertvoll. Andererseits hätte man hier auch sehr schön intersektional auf Gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen.
Ein rasanter Plot mit kleinen Schwächen
Die Handlung setzt kurz vor dem Ball ein. Der Einstieg ist etwas langsamer, aber sobald Sophia flieht, wird das Buch zu einem richtigen Pageturner. Es gibt viele spannende Szenen, einige Plottwists und ein Ende, mit dem ich nicht gerechnet hatte.
Gestört hat mich ein unter anderem zentraler Twist. Der war von Anfang an offensichtlich, und ich habe mich gefragt, warum die Protagonistinnen das nicht viel früher gecheckt haben. Auch manche Nebenfiguren, werden zwar erwähnt, aber nicht gut genug in die Geschichte eingearbeitet.
Trotzdem ist „Cinderella ist tot“ ein Buch, das ich empfehlen kann – vor allem, weil es ein klares feministisches Statement setzt und queere Repräsentation in einem Fantasyroman bietet, die einfach sonst nicht selbstverständlich ist. Die Idee, dass ein Märchen zur Unterdrückung umfunktioniert wird, mag ich sehr.Dass die Umsetzung nicht perfekt ist, stört mich dabei dann am Ende auch nicht so sehr, weil die Botschaft zählt.