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DAFUQ

DAFUQ

von Kira Jarmysch.

Übersetzt von Olaf Kühl.

Es ist eine Weile her, dass ich „DAFUQ“ gelesen habe, aber die aktuellen Zeiten 🇺🇦🇺🇦🇺🇦 machen den Roman meiner Meinung nach umso relevanter! Daher gibt es zusätzlich zur Podcastfolge jetzt auch eine schriftliche Rezension.

"Dafuq" von Kira Jarmysch
„DAFUQ“ von Kira Jarmysch

Kira Jarmysch ist vor allem als die Pressesprecherin des russischen Aktivisten und Oppositionspolitikers Alexej Navalny. Im Sommer 2021 erschien die deutsche Übersetzung ihres Romans DAFUQ, darin verbindet sie Fiktion mit Erlebnissen die sie selbst einmal in einer russischen Arrestzelle gemacht hat. Besonders die Hauptfigur, die 28-jährige Anja Romanowa, weist einige Parallelen zu der Autorin selbst auf.

Auf die Demo folgt der Arrest

Nachdem sie gegen die Regierungskorruption in Moskau demonstriert, wird Anja zu einer zehntägigen Gefängnisstrafe verurteilt. Diese Zeit nutzt sie, um verschiedene Erlebnisse für sich zu sortieren und zu reflektieren: eine etwas unglückliche und verwirrende Dreiecksbeziehung zu Uni-Zeiten etwa oder die so lange angestrebte Karriere im russischen Außenministerium, aus der dann jedoch, trotz erfolgreichem Praktikum, nichts wurde. Immer tiefer gräbt Anja im Laufe ihrer Gefängniszeit in ihrer Vergangenheit und beginnt so auch tiefergehende Wunden aufzuarbeiten, zum Beispiel einige Ereignisse aus ihrer Kindheit. 

Unfreiwillig kann Anja diese 10 Tage allerdings nicht nur mit dem Sortieren ihrer Gedanken verbringen. Stattdessen verbringt sie sei auch mit 5 fremden Frauen, mit denen sie sich die Zelle teilt. 5 Frauen, die, wie sie selbst auch, wegen so genannter Ordnungswidrigkeiten sitzen. 5 Frauen, von denen eine verrückter scheint als die Nächste. 

Ein Querschnitt der Gesellschaft

Sie ist zusammen auf einem Zimmer mit Frauen, von denen sich eine die Brüste und ihren Po hat machen lassen, sogar Botox in ihren Achseln hat, um reichen Männern zu gefallen. Eine andere ist alkoholabhängig. Und eine dritte von ihnen ist tatsächlich schon mal im, echten Straflager gewesen, wo normalerweise nur die hin kommen, die wirklich schlimme Dinge getan haben.

In dem Roman treffen sechs Frauen aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Von Arm bis Reich, von abhängig bis nüchtern. Sie diskutieren über Russland und das Leben, über Schöheits-Ops, übers Kinderkriegen, über Geld, über Sex und Liebe, über Putin, die Freiheit und Fernweh und Identitäten. 

Willkür und Unterdrückung

Dafuq ist ein ausgesprochen kurzweiliger Roman, der mir Spaß gemacht hat zu lesen und mich zugleich sehr nachdenklich gestimmt hat. Mit Humor aber auch einer Menge Zorn erzählt Kira Jarmysch der Willkür der Russischen Machthaber, der Unterdrückung anderer Stimmen und allem, was nicht ins Bild passt.

Schon vor ein paar Monaten war Dafuq mehr als aktuell, hat mich ein wenig wachgerüttelt. Und trotzdem passt der Roman fast noch besser in die jetzige Zeit. Für mich steht er symbolisch dafür, dass zu lange weggeschaut wurde. Er steht für so vieles, was in Russland und der Welt schiefläuft. Also, auch wenn das Buch keines über Putins Krieg gegen die Ukraine ist, passt es momentan doch wie die Faust aufs Auge!


Hör auch mal in die Podcastfolge zu DAFUQ rein:

Darin erzähle ich euch außerdem auch noch von drei weiteren Büchern.


Bibliographisches zu DAFUQ

Erschienen bei Rowohlt Berlin

ISBN: 978-3-7371-0140-0

Umfang: 416 Seiten

Preis (Hardcover): 22€

Link zur Buchseite beim Verlag


Eve Bernhardt

Eve Bernhardt ist in Göttingen aufgewachsen und liest schon so lange sie denken kann. Nach ihrem FSJ Kultur studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie arbeitet als freie Journalistin und betreibt seit 2020 betreibt ihren eigenen Jugendbuchpodcast.

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